Negativ-Preis für ALDIs Milchpreisdumping

tl_files/agrarwende/content/aktuelles/Aktionen/Milchpreiskrise 2016/Aasgeier_Schlossplatz4.jpg"Die Chancen der Krise nutzen" – so ein alter Sinnspruch neoliberaler Marktstrategen. So auch ALDI. Während ein Milchbauernhof nach dem anderen sein Leben aushaucht, bingt ALDI Milch zu immer weiter gedrückten Billigstpreisen in seine Regale, ein probates Mittel im Kampf um noch mehr Marktanteile auf dem umkämpften deutschen Lebensmittelmarkt.

Den Preis für maximalen Verbraucher- und Bauern-Ärger, den goldenen Aasgeier, erhielt am 5.7.16 stellvertretend ALDI-Oldenburg. Hier der Bericht der Akteure:

Negativ-Preis für ALDIs Milchpreisdumping

Am heutigen Dienstag, dem 5. 7. 2016, bekam der Discounter Aldi in Oldenburg die Verärgerung von Milchbauern und Verbrauchern zu spüren. Auf dem Schlossplatz in Oldenburg fand eine Kundgebung zur Information der Verbraucher statt. Organisiert wurde diese von Slow Food Youth Oldenburg, mit freundlicher Unterstützung von Milchbauern des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter BDM, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL und der Arbeitslosenselbsthilfe ALSO.

Ein Vertreter des Discounters sollte danach bei der Filiale in Osternburg für das massive Milchpreisdumping von Aldi einen „goldenen Aasgeier" und einen offenen Brief entgegen nehmen. Der Lebensmittelriese wollte jedoch niemanden empfangen und verweigerte auch die Annahme des offenen Briefes. Die Organisationen verlangen darin von Aldi, die Billigangebote der Molkereien zurückzuweisen und diese statt dessen aufzufordern, kurzfristig einen Bonus zur Mengenbremse einzuführen.

Wir müssen runter vom Zuviel an Milch, das den Preis nach unten drückt. ALDI muss seinen Teil der Verantwortung dazu wahrnehmen. Erhöhen Sie den Milchpreis und stellen Sie den Mehrerlös vollständig für einen Milchfonds bereit, der den Höfen zu Gute kommt, die ihre Milchmenge reduzieren und damit einen aktiven Beitrag zur Lösung der Krise leisten," heißt es in dem offenen Brief.

tl_files/agrarwende/content/aktuelles/Aktionen/Milchpreiskrise 2016/Gold-Aasgeier_Aldi.jpgSlow Food Youth betonte: „Aldi steht symbolisch für alle Supermärkte, die Milch zu solch niedrigen Preisen verscherbeln und damit die Existenzgrundlage so vieler Bauern und Bäuerinnen gefährden. Die niedrigen Preise müssen von den Höfen ausgeglichen werden - sie zahlen mehr als 10 Cent pro Liter drauf, den sie an die Molkereien liefern. Allein im Jahr 2015 mussten täglich 8 Milchviehbetriebe das Handtuch werfen und ihre Produktion einstellen. Die großen Molkereien exportieren einen Großteil ihrer Milch als Milchpulver und ruinieren damit Kleinbauern vor Ort. Als Slow Food Youth Gruppe wollen wir das nicht akzeptieren. Wir wollen gute Milch zu fairen Preisen!"

Ottmar Ilchmann von der AbL Niedersachsen/Bremen erklärte: „46 Cent für einen Liter Trinkmilch sind eine Farce. Der Hartdiscounter hat zudem ohne Not auch noch die Preise für Bio-Milch gesenkt. Zudem bietet er auch Weidemilch, die sich gerade als Wertschöpfungsschiene im Markt zu etablieren beginnt, zu absoluten Dumpingpreisen an. Aldi ist Profi im Preisdrücken und profitiert jetzt auch noch von dem Exportwahn der Molkereien. Den Aasgeier verdient das Unternehmen, weil es damit vielen bäuerlichen Betrieben jede Hoffnung nimmt und versucht, von der Krise zu profitieren."

Die ALSO (Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg) wies darauf hin, wie niedrige Hartz-IV-Leistungen und Niedriglöhne den Absatz von Billigstnahrung und damit die Marktmacht der großen Einzelhandelsketten vorantreiben. Das mag - siehe die Schaffung eines riesigen Niedriglohnsektors in Deutschland -politisch gewollt sein. Doch der wahre Preis dieser Billignahrung wird dort gezahlt, wo die Nahrung entstehend hergestellt wird: Bei den Bauern und LandarbeiterInnen, in den Böden und Gewässern, im Trinkwasser, bei den Tieren, die in den Fleischfabriken leiden - und das alles finden wir weltweit, von Süd-Oldenburg und dem Emsland bis in (beinahe) alle Regionen dieses Globus.

Die ALSO sagt: „Statt wie derzeit - mit dem sog. "Rechtsvereinfachungsgesetz" - seitens des Bundestages noch mehr Druck auf die Menschen im Hartz-IV-System zu machen, machen wir Druck, damit sich alle fair erzeugte Nahrungsmittel zu einem fairen Preis leisten können. Wie die heutige Veranstaltung zeigte, stehen wir damit nicht allein sondern sind Teil eines breiten gesellschaftlichen Bündnisses."

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