Bauern fordern sinnvollen statt landwirtschaftsfeindlichen Masterplan Ems

Die Pressemeldung der AbL lautet im Volltext:

Scharfe Kritik am undemokratischen Zustandekommen des „Masterplans Ems“ und an dessen Flächenaufkauf-Plänen kommt vom Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Bisher seien im Lenkungskreis des Masterplans nur dessen potentielle Nutznießer vertreten, nicht aber die durch Flächenverluste bedrohten Landwirte, die ja zudem mitnichten für den schlechten Zustand der Ems verantwortlich seien. Die AbL fordert Landesregierung und Umweltverbände auf, über Kompensationsmaßnahmen nachzudenken, die keine „Alibi-Maßnahmen“ seien, sondern die tatsächlich etwas am schlechten Zustand des Ems-Flussbettes selbst änderten. Dies sei durch das geplante Herauskaufen von 700 Hektar Grünlandfläche für Naturschutzzwecke nicht gewährleistet. Die AbL fordert zudem einen analogen „Masterplan Landwirtschaft“, zu dem auch ein Weidemilchprogramm für eine standortgerechte und naturverträgliche Milcherzeugung gehöre.

AbL-Landesvorsitzender Ottmar Ilchmann, selbst Milchbauer im Kreis Leer, verwies auf die massiven Proteste von 500 Landwirten bei einer Veranstaltung  des Landkreises mit Landrat Bramlage, der Umwelt-Staatssekretärin Almuth Kottwitz und dem Regionalbeauftragten Franz Sickelmann. Die Landwirte im Landkreis Leer stellten jetzt schon tausende Hektare für den Naturschutz zur Verfügung, vor allem als Vogelschutzgebiet für Gänse und Wiesenbrüter. Die Bauern fürchteten um die Existenz ihrer Höfe, wenn nun die Pachtpreise durch den Flächenbedarf des Masterplans zusätzlich in die Höhe getrieben würden. Parallel dazu stiegen die Pachtpreise durch Pachtinteressenten aus den angrenzenden Kreisen Emsland und Cloppenburg, wo aufgrund der intensiven Tierhaltung und des Biogasbooms die Nachweisflächen für Gülle sehr knapp würden. 

„Einerseits stellen Politiker unsinnige Forderungen an die Milchbauern, wonach sie nach dem Auslaufen der Quotenregelung zu niedrigen Weltmarktpreisen produzieren müssten - andererseits steigert man mit Bewirtschaftungsauflagen und Flächenverknappung unsere Produktionskosten“, so Ilchmann. All dies führe zu einer Intensivierung auf den verbleibenden Flächen und zur Verdrängung kleinerer, extensiver wirtschaftender Weidebetriebe. Um das zu verhindern, fordert die AbL die rot-grüne Landesregierung, die Verantwortlichen der Ems-Beeinträchtigung und die Umweltverbände auf, gemeinsam mit der Landwirtschaft einen „Masterplan Landwirtschaft“ zu entwickeln, der den Bauern eine wirtschaftliche Perspektive eröffne und der Region nütze. Dazu gehöre ein Weidemilchprogramm, das die standortangepasste, naturverträgliche Milcherzeugung in Wert setze. Eine Ablehnung des Masterplans durch den Kreistag des Landkreises Leer sei ein erster Schritt, um noch einmal Verhandlungsspielraum zu bekommen und die landwirtschaftlichen Verbände am Lenkungskreis zu beteiligen.

23.2.2015

Mit freundlichen Grüßen

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)

Landesverband Niedersachsen/Bremen e.V. – Pressesprecher:
Eckehard Niemann, Varendorfer Str. 24, 29553 Bienenbüttel
0151-11201634 – eckehard.niemann@freenet.de

 

Drei Umweltverbände begrüßten hingegen in ihrer Stellungnahme vom 27. 1. 2015 (Hannover/Hamburg) den Masterplan als "Paradigmenwechsel":

Vertrag zur Renaturierung der Ems in Sichtweite - Umweltverbände und niedersächsische Landesregierung einigen sich auf Vorgehen zum "Masterplan Ems 2050"

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG 
BUND Landesverband Niedersachsen e. V. 
NABU Landesverband Niedersachsen e. V. 
WWF Deutschland

(Quelle)

Hannover/Hamburg - An der Ems müssen Naturschutz und wirtschaftliche Nutzung des Flusses künftig in Einklang gebracht werden. Einen entsprechenden Vertrag mit konkreten Maßnahmen für die kommenden 35 Jahre haben die Umweltverbände BUND, NABU und WWF und die Niedersächsische Landesregierung bis zur Unterschriftsreife ausverhandelt. Der endgültige Abschluss des Vertrags tritt mit der Zustimmung der Kreistage Emsland und Leer sowie des Rates der Stadt Emden ein.

Eine entsprechende Erklärung unterzeichneten Montagnacht Vertreter der Umweltverbände, der Landesregierung, der Landkreise Leer und Emsland, der Stadt Emden sowie der Meyer-Werft. 
"Wir freuen uns über den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen, das ist ein richtungsweisender Fortschritt. Mit dieser Einigung haben wir einen Marshallplan für den Wiederaufbau natürlicher Lebensräume an der Ems vereinbart", sagt Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler vom BUND. 

"Der Vertrag bekräftigt einen Paradigmenwechsel, weil die Gleichrangigkeit von ökologischen und ökonomischen Interessen an der Ems erstmals anerkannt wird und er die wirtschaftliche Entwicklung mit einem Naturschutzprogramm verkoppelt. Die festgesetzten Maßnahmen sind ein wichtiges Beispiel dafür, wie die Natura 2000 Verpflichtungen in die Praxis umgesetzt werden ", erläutert Diana Pretzell vom WWF.

"Endlich soll es wieder bergauf an der Ems gehen. Nicht nur mit verringerten Schlickfrachten, sondern auch mit neuen Flächen für die Natur, die die Ems wieder in einen sehenswerteren, attraktiven Fluss für Menschen, Tiere und Pflanzen verwandeln sollen", sagt Dr. Holger Buschmann vom NABU. Ein Wehrmutstropfen sei, dass dies nur langsam zu erreichen sein wird und weiterhin einer Kraftanstrengung aller Beteiligten bedürfe. 

Zu den Vereinbarungen gehört, dass die Landesregierung über einen Zeitraum von 35 Jahren Flächen entlang der Ems ankauft, die zu Renaturierungsarealen werden. Insgesamt 700 Hektar sollen dem Schutz ästuartypischer Lebensräume wie Tideauwald, Röhricht, Wattflächen und Flachwasserzonen dienen sowie als Lebensraum für Wiesenvögel hergerichtet werden. Um das massive Schlick- und Sauerstoffproblem der Ems zu lösen, soll auf der Grundlage vertiefender Machbarkeitsstudien 2018 entschieden werden, wie die Steuerung der Tide künftig durch das Emssperrwerk, den Einbau einer Sohlschwelle in das Emssperrwerk oder der Bau von Tidespeicherbecken bzw. eine Kombination dieser Maßnahmen erfolgen wird. Auch das Anlegen von Tidepoldern, Rückbau oder Öffnung von Sommerdeichen sowie die Entfernung von Deckwerken sind vorgesehen. 

Rückfragen: 
Beatrice Claus, WWF Deutschland, Telefon mobil: 01511885 4968 
Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler, BUND Niedersachsen, Telefon mobil: 0171-6420202 
Dr. Holger Buschmann, NABU Niedersachsen, 'Telefon mobil: 0172-5142522

 

Weitere Hinweise von der Webseitengestaltung des Agrarbündnisses auf Berichte zu diesem Thema:

1. Der NDR berichtete:

Masterplan: So soll die Ems gerettet werden

Hallo Niedersachsen - 20.02.2015 19:30 Uhr: "Der Ems geht es schlecht. Ein Grund sind ständige Baggerarbeiten, damit Kreuzfahrt-Riesen der Meyer Werft überführt werden können. Nun gibt es einen Plan zur Rettung des Flusses."

Landwirte: Wir müssen für Masterplan Ems bluten

21.02.2015 10:48 Uhr - Lesezeit: "Die Ems ist ein Problemfluss: zu viel Schlick, ein zu hoher Salzgehalt, zu wenig Sauerstoff. Die Lösung soll der sogenannte Masterplan Ems 2050 liefern. Das Land, der Bund, die Meyer Werft, die Landkreise Leer und Emsland, die Stadt Emden und die Umweltverbände verpflichten sich darin, die Ems fit zu machen. Ökologische und ökonomische Interessen gelten als gleichwertig. Die Landwirte fühlen sich dabei übergangen. Bei einer Infoveranstaltung des Landkreises Leer haben sie am Freitag ihrem Ärger Luft gemacht."

[dort sind auch auch weitere Meldungen des NDR zu diesem Thema zu finden]

2. Siehe z. B. auch in der Ostfriesenzeitung

Leer: Wütender Protest gegen Masterplan Ems

3. Die offiziellen Materialien zum "Masterplans Ems 2050" finden sich auf der Webseite der Niedersächsischen Staatskanzlei:

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