Bauern gegen Molkereiarbeiter?

TARIFABSCHLUSS FÜR DMK-BESCHÄFTIGTE – Landesbauernverbands-Präsident nennt Lohnerhöhungen der Molkereibeschäftigten „unanständig und sittenwidrig“

AbL kritisiert Ablenkungsmanöver der Bauernverbandsspitze von eigenem Beitrag zur Milchpreis-Krise:
„Kein Milchbauer glaubt doch ernsthaft, dass die Molkerei-Manager bei einem Verzicht auf berechtigte Lohnsteigerungen wirklich höhere Milch-Erzeugerpreise auszahlen würden.“

Als „durchsichtiges Ablenkungsmanöver von den wirklichen Ursachen und Verursachern“ der Milchpreiskrise kritisiert die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) einen erst jetzt bekannt gewordenen Brief des Präsidenten des Thüringer Bauernverbands (TBV), in dem dieser gegen die angeblich „unanständige und sittenwidrige“ Erhöhung der Löhne der Molkerei-Beschäftigten durch Tarifabschlüsse (zwischen der DMK-Großmolkerei und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss Gaststätten -NGG) polemisiert.

Laut AbL-Landesverband Niedersachsen/Bremen will der Deutsche Bauernverband so die berechtigte Wut der Milchbauern über die molkerei-lobbyistische Politik namhafter Bauernverbandsgrößen nun auf die Arbeitnehmer ablenken.

„Es geht um faire Bezahlung von Milch und Arbeit“, so der stellvertretende AbL-Bundesvorsitzende und Milchbauer Ottmar Ilchmann, „und es geht um eine gemeinsame Strategie, die die dafür notwendigen Rahmenbedingungen für Beschäftigte und Milchbauern nachhaltig sichert.“  Abzulehnen sei eine neoliberale Milchpolitik von abgehobenen und bauernfernen Molkerei-Managern, die auf riskante und nicht kostendeckende Massen-Exporte in Drittländer setzten und bereit seien, hiesige bewährte soziale und ökologische Qualitäts-Standards einer inakzeptablen Freihandelsideologie zu opfern. Gerade in der jetzigen Milchmarktkrise mit ihren anhaltend ruinösen Erzeugerpreisen dürften sich Bauern und Arbeitnehmer von Managern und Verbänden der Milchindustrie nicht gegeneinander ausspielen lassen.  

Die AbL hatte sich zuvor mehrfach mit Streiks der Gewerkschaft solidarisiert und dabei daran erinnert, dass der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) vor einigen Jahren selbst einen bundesweiten Milchstreik für faire Milcherzeugerpreise organisiert und dabei wichtige Solidarität auch aus den Reihen von NGG und von Molkerei-Betriebsräten erfahren habe. Demgegenüber habe die Bauernverbandsspitze systematisch daran gearbeitet, den Milchstreik scheitern zu lassen und in Kampagne-Briefen an die Bundestagsabgeordneten die zunächst politisch zugesagten Milchpreiserhöhungen diskreditiert und sabotiert. Mit ihrer neuerlichen Arbeitnehmer-Diffamierung betreibe der Bauernverband abermals das Geschäft einer gesellschaftlichen Isolierung der Milchbauern.

„Kein Milchbauer glaubt doch ernsthaft, dass die Molkerei-Manager bei einem Verzicht auf berechtigte Lohnsteigerungen wirklich höhere Milch-Erzeugerpreise auszahlen würden“ – so AbL-Vertreter Ilchmann. In Wirklichkeit gingen die Gelder, die nicht an die Milchbauern oder Beschäftigten ausgezahlt würden, in perspektivlose Investitionen für den ruinösen Weltmarkt-Export der systematisch angeheizten Milchüberschüsse. Auf wessen Seite die Bauernverbandsspitze im Konflikt zwischen Milchbauern und Molkereien stehe, zeige sich aktuell überdeutlich an dem Wechsel des niedersächsischen Landesbauernverbands-Präsidenten Korte an die gutbezahlte Spitze des Aufsichtsrats der Großmolkerei „Deutsches Milchkontor“ (DMK), .

Zum Hintergrund: Helmut Gumpert, Präsident des Thüringer Bauernverbands (TBV), Mitglied in etlichen Gremien von Großgenossenschaften und Gesellschaften und Chef eines ostdeutschen Agrar-Unternehmens unter anderem mit 800 Milchkühen, hatte bereits am 20.6.2016 an die DMK-Geschäftsführung den Tarifabschluss vom 9.6.2016 und die Erhöhung der Löhne und Gehälter der DMK-Beschäftigten als „unanständig und sittenwidrig“ bezeichnet. Geschäftsführung, Vorstand, Aufsichtsrat und Betriebsrat der DMK sollten sich dazu erklären.
(soweit die Pressemitteilung der AbL vom 6.8.2016)

tl_files/agrarwende/content/aktuelles/Aktionen/Milchpreiskrise 2016/Tarif Milchwirtschaft Ost/ngg_pd.jpgMehr dazu:

1. Presse-Infos der Gewerkschaft NGG zu den Tarifverträgen diesen Jahres für die ostdeutsche Milchindustrie und mit der DMK-Molkerei in Erfurt.

2. Hier der Link zum Brief des Thüringer Bauernverbandes:
http://tbv-erfurt.de/joomla/files/Download/2016/OBrief_DMK_Tarifabschluss_2016.pdf

« Zurück

Aktuelles

Landwirt*innen und Verbraucher*innen zeigen gemeinsam klare Kante für eine bäuerliche Landwirtschaft

tl_files/agrarwende/content/aktuelles/Demonstration Oldenburg/DemoPoster.jpg

Am Samstag sind rund 1000 Landwirt*innen, Natur-, Tier- und Klimaschützer*innen, Arbeitsrechtler*innen, entwicklungspolitisch Engagierten und interessierten Verbraucher*innen dem Aufruf ihren Protest in Oldenburg auf die Straße zu tragen gefolgt und forderten gemeinsam zu Fuß, mit Fahrrädern und mit Treckern die Agrarwende.

Die Trecker und Menschen zogen begleitet von zwei Trommelgruppen vom Bahnhofsvorplatz am Julius-Mosen-Platz und Staatstheater vorbei auf den Schlossplatz. Hier hatten verschiedene Bündnispartner Infostände aufgebaut. Dazu es gab Wurst und Hotdog aus regionaler Erzeugung zur Stärkung.

In den Redebeiträgen der Vertreter*innen der Initiativen, eingeleitet und moderiert von Canan Barski vom Ökumenischen Zentrum Oldenburg und Ottmar Ilchmann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e. V. (AbL), spiegelten sich die vielfältigen Anliegen der Demo wider, deren zentrale Botschaft aber doch war: Nur im Schulterschluss können wir eine umweltverträgliche, zukunftsfähige, global gerechte, klimaschonende und existenzsichernde Landwirtschaft erreichen [...]

 

Weiterlesen »

Demonstration am 23. März in Oldenburg

Das Agrarbündnis Niedersachsen und Weitere rufen zur Demo auf und werben hiermit um Eure Teilnahme und Unterstützung!

 

Demo zu Fuß und mit Treckern
23. März 2019 | 11 Uhr | Auftakt Bahnhofsvorplatz | Oldenburg
Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz; mit Ständen der Bündnispartner

 

Für Wertschätzung von Mensch, Tier und Umwelt! Stadt und Land Hand in Hand

Wir wollen auf die Straße gehen und als Bäuerinnen und Bauern, von konventionell bis bio, von Tierhaltung bis Ackerbau, als Verbraucher*innen, Imker*innen, Natur- und Tierschützer*innen, als Umweltaktivist*innen, Aktive der Entwicklungszusammenarbeit, engagierte Jugendliche, Kämpfer für Arbeitnehmerrechte und als Menschen aus Stadt und Land klare Kante für zukunftsgerechte, nachhaltige Landwirtschaft und gesundes Essen zeigen.....

Demo am 23. März 2019 | 11 Uhr | Auftakt Bahnhofsvorplatz | Oldenburg

 

Kontakt für Treckerfahrer*innen:
Ihr erhaltet Informationen und könnt Euch anmelden unter:

0176 301 566 36 (Johannes)

 

Die Möglichkeit zum Pressegespräch besteht vor den Redebeiträgen ab 10:30 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz. Melden Sie sich hierfür bitte bei Canan Barski an unter Tel. (01590) 148 76 24 oder barski@oezo.de.

 

Pressekontakt bei inhaltlichen Fragen:

Ottmar Ilchmann, Tel. (0176) 4500 0760 und o.ilchmann@yahoo.de.

Pressemitteilung vom 13.03.2019 zum Download

 

Weiterlesen »